Was ist Gut Reichenow?

Ein altes Gutshofgebäude von 120 Metern Länge und 15 Metern Breite mit zwei Nebengebäuden. Das Gelände umfasst 20.000 qm und liegt ca. 50 km nord-östlich von Berlin.

Es gibt 28 einzelne Räume. Sie sind unterschiedlich in Größe und Format und dienen der Nutzung als Werkstätten, Studios und Ateliers. Die Räume sind dauerhaft vermietet an insgesamt 44 Leute, die in unterschiedlichen kulturellen Bereichen tätig sind:
Grafik-Designer, Architekten, Filmschaffende, Theater- und PerformancekünstlerInnen, BildhauerInnen, ArtistInnen, Objekt-Designer, Ärztin, Gastwirtin, Zeichnerinnen, Heilpraktikerin, Therapeutinnen und künstlerisch motivierte Handwerker.

An öffentlichen Räumen, die wechselnd/zeitweise vermietet werden, gibt es:

- eine Probe- und Veranstaltungshalle, 500 qm
- ein vereinsinternes Gästehaus
- das Lokal Delicati mit saisonalem Wochenendbetrieb und ganzjährigem Cateringangebot für Gruppen

Die Besucher kommen im weitesten Sinne aus dem Umfeld der ansässigen Leute. Der Gutshof funktioniert hier quasi als kollektiver Landsitz für Arbeitsgruppen vorwiegend aus Berlin. Ein wachsender Kreis von Stammgästen und Freunden des Hofes hat sich etabliert.

Entstehung

Wie so viele Andere nach der Wende, haben sich im Jahr 1992 ein paar Berliner Wessis im Umland von Berlin auf die Suche gemacht. Wonach genau sie suchten, war noch unklar. Einfach einen Platz auf dem Land finden, mit einfachen Mitteln herrichten - Schritt für Schritt. Ein derart riesiges Projekt, wie es der Gutshof dann geworden ist, war damals weder geplant noch vorstellbar. Es hat sich in den vergangenen Jahren aber von hier aus eine sehr eigendynamische Entwicklung ergeben, die zu dem führte, was heute Gut Reichenow ist.

Als unsere "Pioniere" auf dieses Gebäude gestoßen sind, war der Gutshof Reichenow noch ein Wirtschaftsgebäude der gerade in Abwicklung befindlichen LPG.
Es wurde ein Verein gegründet, der die Immobilie erworben hat. Mit Mitteln der EU (Förderung Infrastruktur) wurde das Gebäude 1997-2000 umfassend restauriert und in einen Rohbauzustand versetzt. (Hinter diesem kleinen Absatz verbergen sich unzählige Gespräche, Treffen, Konzepte, Anträge, Bemühungen aller Art über einen Zeitraum von fünf Jahren.)
Bis hierher wurde das ganze Projekt im Wesentlichen von nur sieben Leuten getragen. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, WER die einzelnen Einheiten mieten würde - und ob es überhaupt gelingen würde, so viele Interessierte zu finden.
In kürzester Zeit konnten aber die Räume komplett vermietet werden. Die Mieter beschäftigten sich nun mit dem Innenausbau.

Seither sind einige Jahre vergangen und noch immer ist ein Großteil der ansässigen Leute Erstmieter. Die interne Raumaufteilung verändert sich laufend.

Ist Gut Reichenow nur ein Mietshaus oder ist es ein Projekt?

Keine Vorgaben. Gut Reichenow ist eher ein Format als dass es sich an ideellen Vorgaben orientiert. Aus einer bloßen Ansammlung verschiedener Leute unter einem Dach ist sicherlich so etwas wie ein Pool von Kompetenzen, Möglichkeiten und Kräften geworden. Dieser Pool reichert sich selbst an und ist in Bewegung. Die Beziehungen der Mieter untereinander reichen von blanker Nachbarschaft bis zu intensiver künstlerischer Zusammenarbeit. Die Größe des Komplexes bringt eine gewisse Unübersichtlichkeit mit sich. Das birgt Schwierigkeiten, ist aber wahrscheinlich auch der Grund, warum sich nach so vielen Jahren noch keine Einschlaferscheinungen aufgetan haben. Es bleibt spannend.

Wichtige Entscheidungen werden von einer kleinen Betreibergruppe getroffen. Diese kümmert sich um die Verankerung auf dem gesamten Hof. Durch das Raumkonzept und die Gestaltung der öffentlichen Räume ist ein gewisser Stil eingeführt.
Die Betreibergruppe, deren Mitglieder alle auch Mieter sind, beschränkt sich auf wenige Vorgaben: Wir fühlen uns im Umgang mit den betriebenen Räumen der Idee der Gemeinnützigkeit verpflichtet. Wir möchten die Heterogenität in unserer Mieterstruktur wahren. Wir vergeben unsere Räume zur Nutzung als Arbeitsräume und nicht als Wochenend- und Feriendatschen.

Dorf

Das Verhältnis zwischen den zugereisten Gutshofleuten und den Reichenower Ureinwohnern war - bis auf einzelne Ausnahmen - lange Zeit distanziert, vielleicht sogar manchmal argwöhnisch. Es hat aber keine nennenswerten Anfeindungen gegeben, wie man es vielleicht erwarten würde. In letzter Zeit hat sich deutlich eine gegenseitige Öffnung entwickelt. An vielen Punkten gibt es gegenseitiges Interesse, Beziehungen und gemeinsame Aktivitäten.

Bildungsstätte Gut Reichenow

Die Bildungsstätte Colaborative e.V. ist auch ein Ort für Seminare der politischen und künstlerischen Bildung mit extra dafür eingeladenen Pädagog_innen.

Schwerpunkte dieser Bildungsarbeit sind Seminare von Jugendgruppen aus verschiedenen künstlerischen Richtungen, internationale Begegnungen und Workshops mit jungen Flüchtlingen.
In dieser Bildungsstätte können Sie auch Ihre eigenen Seminare durchführen, bei denen die Colaborative e.V. Sie auf Wunsch gerne unterstützt.